Der Duft der Frauen

Mein Nachtbus ins fast 700km entfernte Pakse gleicht einem großen Kühlschrank mit stählernen Etagenbetten darin. Mein schmales Bett teile ich mir zum Glück mit einem Laoten und nicht mit einem britischen Imbissbudenfreund. Dank Kopfhörern, Schlafbrille und einem alten kambodschanischen Hausmittel, umgibt mich nach einer halben Stunde auch schon tief schwarze Nacht und das Schaukeln über die holprige Piste spielt sich nur noch in meinen Träumen ab. Erst am Busbahnhof von Pakse werden diese jäh unterbrochen und ich muss mir den Weitertransport nach Si Phan Don, den viertausend Inseln organisieren. Nun sitze ich staubig und verschwitzt auf dem Weg nach Süden, für weitere drei Stunden gefangen in einem überladenen Minibus. Meiner Nase zufolge nähert sich mein Körpergeruch dem, zahlreicher vierbeiniger Waldbewohner und auch meine Mitreisenden rümpfen auffällig die Nase. Zu meiner Erleichterung geht der Duft aber von den beiden Frauen neben mir aus. Genauer gesagt von ihren Rucksäcken, die nur noch im Mittelgang Platz gefunden haben. Ihr Bus hat auf der Nachtfahrt bei einem Zusammenstoß zwei Hirschen zu Abkürzung ins Nirvana verholfen. Praktisch veranlagt und von Dankbarkeit für die unverhoffte Beute geleitet, hat der Busfahrer die beiden toten Tiere kurzerhand ins Gepäckabteil verfrachtet. Auf die Rucksäcke der Mitreisenden. Zahlreiche Traveller sorgen daher derzeit im ganzen Land für gründliche Verwirrung bei diversen Rotwild-Damen, während es in Pakse wohl günstige Hirschgerichte in den dampfenden Straßenküchen am Mekong gibt. Mein Weg führt mich weiter mit einem kleinen Holzboot nach Don Donh, einer der letzten Traveller-Idyllen Indochinas. Hier auf ein paar größeren der viertausend Inseln im Mekong, wenige hundert Meter von den Mekong Fällen an der kambodschanischen Grenze, gibt es noch kleine Bambushütten am Ufer, abseits jeglichen Pauschaltourismus. Außer in Hängematten abzuhängen, mit dem Rad die Inseln zu erkunden, vielleicht die seltenen Irrawaddy Delfine beobachten und etwas Kajak zu fahren gibt es hier praktisch nichts zu tun. Bei der Auswahl der Speisen ist etwas Vorsicht angebracht, der Zusatz „Happy“, deutet nicht auf eine wohl gelaunte Bedienung, sondern auf die Zubereitung mit Drogen. Der ein oder andere hat sich hier schon unbeabsichtigt in ganz andere Sphären begeben. Hier, wo für viele ein kleines Stück Indochina-Traum Wirklichkeit wird, sind einst Träume großer Visionäre zerplatzt. Mit welcher Fassungslosigkeit und Enttäuschung müssen die Franzosen damals vor den Mekongfällen gestanden haben, mit der plötzlichen Erkenntnis, dass es niemals eine durchgängig schiffbare Verbindung nach Südvietnam geben würde. Heute zeugen nur noch zwei Verladerampen und rostige Lokomotiven von der französischen Kolonialzeit. Ein überwucherter christlicher Friedhof inmitten von Reisfeldern erzählt wenige Geschichten. Unter tragischen Umständen verschied am 3.Oktober 1922 die Familie Xavier, so steht es auf dem weißen Grabstein. Gerüchten zufolge wurden die Eltern und ihre elfjährige Tochter von den einheimischen Angestellten ermordet.

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