Chickiecounter

Den halben Tag hatte ich unfreiwillig Gelegenheit, das bunte Treiben zum dem Flughafen von Wamena zu beobachten. Mein Abflug, der eigentlich für 10 Uhr angesetzt war hat sich aufgrund nicht näher benannter Probleme verzögert.
Schon beim Einchecken herrscht heilloses Chaos, dass als Außenstehender fast nicht zu verstehen ist. An der Wellblechbaracke hat jemand in roter Farbe das Wort CHICKIECOUNTER geschrieben. Da es nicht viele Alternativen gibt, schließt der Reisende darauf, dass dies wohl der Checkin-Schalter sei. Nachdem man sich langsam durch die Menschenmenge zu den vermeintlichen Airlinemitarbeitern durchgeschlängelt hat fährt zunächst ein Ansprechpartner. Englisch wird nicht gesprochen und ein gutes Dutzend Menschen hinter dem „Chickiecounter“ haben irgendwelche Aufgaben, die sich mir nicht erschließen. Hände greifen nach meinem Ticket, das sogleich irgendwo hinter zwei Countern  in einem Stapel Papiere verschwindet der ständig Form und Größe verändert. Irgendwann wird mein Name, Mr. Andreas, aufgerufen und ich werde winkend aufgefordert mein Gepäck zu einer alten Wage zu tragen. In der Zwischenzeit erfolgen Ansagen per Megaphon auf Bahas Indonesia.

Während überall sonst im Land Ansagen mit Terima Kasih, auf Indonesisch Danke, enden, endet der bärtige Mann seine undeutlichen Worte mit Wa, Wa, Wa, Wa – worauf die wartende Menge hinter der Blechwand in der Abflughalle lautstark im Chor mit Wa, Wa, Wa, Wa antwortet. Irgendwie gespenstisch, vielleicht waren sie doch noch irgendwo, die Menschenfresser und hinter dem schlafenden Securityofficer wartet ein großer Kochtopf auf den einzigen Touristen hier.
Es finden sich aber Flughafenbänke mit normalen Menschen, ein paar Nonnen, einer Fußballmannschaft und hin und wieder läuft ein Penisköcherträger an einem vorbei. Das einzig gute an der Situation ist, dass ich mich frei bewegen kann. Kinder spielen auf dem Vorfeld, und von dem einigen Schlagbaum lässt sich niemand abhalten munter zwischen Abflug, Ankunft und Gepäckausgabe hin und her zu wechseln.

Interessanterweise sieht man auch hier viele israelische Flaggen, als Button am T-Shirt oder auf Motorrädern als Aufkleber. Nirgendwo in Indonesien sieht man israelische Flaggen. Da die Flagge der Unabhängigkeitsbewegung, die Morgensternflagge, von Indonesien verboten ist und lange Haftstrafen nach sich zieht, hab sich die meist christlichen Papuaner wohl gedacht, dass es ersatzweise eine Fahne tut, die dem Großteil der muslimischen Indonesier mindestens ebenso ein Dorn im Auge ist, jedoch nicht unbedingt einfach verboten werden kann.
Es ist Nachmittag geworden, als die zweimotorige Turboprop-Maschine landend an den Wartenden vorbei rauscht und mich zurück nach Jayapura bringt.

Der nächste Tag wird vollständig für die Weiterreise nach Raja Ampat draufgehen. Zwei Flüge nach Manokwari und nach Sorong sind nötig, bis zur Fähre nach Waisai. Ich freue mich langsam sehr aufs Tauchen.

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