Cahuita

Stabil und filigran zugleich streben die unzähligen Mangrovenwurzeln aus dem Schlamm um sich zu größeren Stämmen zu vereinen. Ein einzigartiges Ökosystem zieht links und rechts am Taxiboot nach Sierpe vorbei, das sich vorsichtig durch die engen Kanäle schlängelt um eine Abkürzung zu nehmen. Nach einigen Tagen im und um den Corcovado Nationalpark, soll die südliche Karibikküste das nächste Ziel werden. Rastafari, karibische Klänge und kreolische Küche sind für die nächsten 450 Kilometer jedoch erstmal nur Wunschvorstellung. Zunächst müssen die großen Bergketten und Vulkane zur Pazifik, wie zur Karibikseite überquert werden. Von den Wellen des Pazifik bis in den Nebelwald, hinunter ins Tal bevor es wieder hinaufgeht. Erst nach sieben Stunden Fahrt und schlechtem Radioempfang kommt die Karibik in Sicht um sich bereits kurz darauf auch schon in dunkle Nacht zu hüllen.
Der LKW-Verkehr auf der Landstraße nach Limon ist anstrengend, unzählige Seecontainer voll Bananen und anderer Südfrüchte verlassen hier die Häfen in Richtung Europa.
Ich habe am Bootsanleger von Sierpe zwei deutsche Mitfahrerinnen aufgegabelt, die beide in die gleiche Richtung möchten und auf ähnliche Art reisen, was die Fahrt etwas kurzweiliger werden lässt. Nina und Petra haben jedenfalls auch schon viel gesehen von der Welt und wir können uns auf ein Ziel an der Karibikküste einigen. Cahuita.
Cahuitas karibisches Feuer ist bereits ein wenig erloschen und im ständigen Chillout-Modus. Die Party findet im sechzehn Kilometer entfernten Puerto Viejo statt. Hier in Cahuita liegen eher die Althippies in den Hängematten.
Dafür kann man hervorragend Fisch in Kokossauce oder den einen oder anderen Mojito genießen. Das wahre Highlight ist jedoch wieder einmal der angrenzende Nationalpark von Cahuita, einem Meereschutzgebiet und angrenzendem Regenwald und mit Faultieren, Affen, Nasenbären und zahlreichen Schlangen, die so gut getarnt im Dickicht der Sträucher sitzen, dass man die Augen nicht weit genug offen halten kann.
Eine der wohl farbenprächtigsten Giftschlangen Costa Ricas ist die gelbe Greifschwanz Lanzenotter, die sich auf Ästen zwischen Blättern tarnt und auf Beute wartet. Mit ihrem Schwanzende klammert sie sich an den Ast auf dem sie liegt um so möglichst weit hervorstoßen zu können. Andere harmlose Trugnattern jagen im Nationalpark nach Echsen und anderen kleinen Schlangen und verharren minutenlang fast regungslos wie ein Ast im Wind um dann unvermittelt zuzubeißen. Einer kleinen Echse wird dies zum Verhängnis.
Im Gegensatz zu den gelben Grubenottern müssen sich diese Schlangen jedoch auf ihren Geschmackssinn verlassen und Witterung über die Zunge aufnehmen. Grubenottern verfügen über Organe mit denen sie, wie eine Wärmebildkamera, Infrarotstrahlung wahrnehmen können. Damit können sie ihre Beute auch bei absoluter Dunkelheit sehen.
Unweit von Cahuita gibt es zudem eine Auffangstation für verletzte oder verwaiste Tiere, für Affen die als Haustiere gehalten wurden und auch für Faultiere, die im Wald sonst nur in den hohen Baumwipfeln bestaunt werden können und überhaupt schwer auszumachen sind. Im Laufe der Zeit nimmt ihr verfilztes Fell immer mehr die Farbe des Blätterdaches an und zahlreiche Insekten leben von den Algen im Pelz der Faultiere.

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